Erfahrungen Coverstory Ein wahres Märchen

Ein wahres Märchen

geschrieben am 23 Januar 2012 in der Kategorie Coverstory.

Weihnachten, die wirkliche Zeit der Märchen ist gerade vorbei. Die Meisten von uns sind wahrscheinlich auch froh, dass es so ist. Dennoch möchten wir Ihnen gerne eine Geschichte erzählen, die sich vor Weihnachten in den Niederlanden tatsächlich zugetragen hat, sich aber anhört wie ein Märchen. In unserem Nachbarland besteht Jilster schon etwas länger und begeistert viele.

So auch drei junge Mädchen im Alter von 17 Jahren, die von der Schule eine Umfrage zu einem selbst gewählten Thema durchführen sollten. Simone dachte schnell daran, zusammen eine Zeitschrift über das Thema zu machen. Der Lehrer willigte ein unter der Bedingung, dass die Zeitschrift für eine Zielgruppe gestaltet wird, für die es noch kein Magazin gibt. Da eine Mutter der Mädchen auf einer Sonderschule arbeitet, war ihre Zielgruppe schnell gefunden: schwer lernende Mädchen im Alter von 14 bis 19 Jahren. Was dann geschah, ist wirklich wie im Märchen. 

Die Drei legten los. Zuerst mussten sie natürlich untersuchen, was ihre Zielgruppe von ihrem eigenen Hochglanzmagazin so erwartet. Ilse, Simone und Anniek erarbeiteten also einen Fragenbogen  und legten diesen 10 Schülerinnen der Sonderschule vor. Was möchten sie gerne in der Zeitschrift lesen, was interessiert sie? Schnell fanden sie heraus, dass es vor allem einfache Texte, eine gröβere Schrift und kräftige Farbunterschiede wichtig sind, um bei den Mädchen anzukommen.

Übereinstimmungen

Die Gesamtschüler merkten schnell, dass sie die gleichen Interessen haben, wie die Mädchen für die sie die Zeitschrift machen wollen. „Sie interessieren sich genauso für Make-up, Kleidung und Jungs“, erzählt Ilse. Anniek fügt hinzu: „Die Themen sind eigentlich die gleichen, wie in bestehenden Mädchenzeitschriften. Meistens sind aber die Texte zu schwierig. Sie brauchen mehr Erklärungen, aber auch nicht zu kindlich. Es ist nicht einfach, da einen guten Mittelweg zu finden. Wir glauben aber, dass es uns geglückt ist.“

Fotoshoot

Als feststeht, welche Themen in „STOERENZO“ (COOL UND SO) erscheinen sollen, beginnen Ilse, Simone und Anniek mit dem Gestalten der Zeitschrift in Jilster. Sie organisieren sogar einen richtigen Fotoshoot für die Mädchen der Hardenbergschule mit Make-up, professionellem Fotografen und einem Berg Kleidung. „Für diese Jugendlichen wird eigentlich nicht so viel organisiert. Eltern erzählten uns danach, dass ihr Kind noch nie so happy nach Hause gekommen ist“, berichtet Ilse stolz.

Als Sahnehäubchen ist sogar die regionale Presse beim Fotoshoot anwesend. Es erscheint ein Artikel im Tagesblatt der Region und ein Bericht im regionalen Fernsehen. Um die Finanzierung für den Druck der Zeitschrift zu stemmen, rufen die drei Schülerinnen Betriebe an. „Wir wollten ursprünglich zwanzig Exemplare drucken lassen, aber bereits jetzt haben wir so viel Geld zusammen, um jedem Mädchen auf Sonderschulen in Groningen eine Zeitschrift zu schenken“, erzählt Anniek. Und dann geht alles ganz schnell. Der Direktor der Sonderschule ist so begeistert, dass er eine E-Mail an alle Sonderschulen in den Niederlanden schickt und diese bittet, auch ein paar Exemplare zu bestellen. „Wir hätten nie gedacht, dass es so ein Erfolg werden würde“, sagt Anniek. „Wir sind erst 17! Und haben so viele tolle Reaktionen auf unser Projekt erhalten.“

Bedingungslos

Aber das Allerschönste an diesem realen Märchen ist, das sich Simone, Ilse und Anniek bedingungslos für „Ihre Mädchen“ einsetzen. „Es ist wirklich eine Randgruppe“, sagt Ilse. Nachdem ich die Mädchen der Sonderschule ein bisschen besser kennengelernt habe, finde ich doch viele Gemeinsamkeiten.“ Der Direktor ihrer eigenen Schule beschreibt es so: „Euer Einfühlungsvermögen ist unglaublich gewachsen.“ Ilse, Simone und Anniek können dem nur zustimmen. Anniek: „Ich realisiere mir nun zum Beispiel, dass nicht jeder eben mal mit dem Zug nach Groningen zum Shoppen fahren kann. Diese kleinen Dinge machen den Unterschied.“

Millionär

Gibt es noch etwas, was man den Dreien wünschen kann, nachdem sie einen Projektauftrag so erfolgreich umgesetzt haben? Anniek: Im Geheimen wünschen wir uns das ein Millionär „STOERENZO“ liest und die Zeitschrift verlegen will. Wenn es die Zeitschrift dann in 10 Jahren noch zu kaufen gibt, können wir sagen: „Das haben wir doch gut gemacht!“

Und so endet dieses Märchen, zumindest vorläufig. Sind Sie Millionär oder selber interessiert an einem Exemplar? Mailen Sie uns und wir leiten Ihre Mail an Anniek weiter.

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